Dubonnet
Ein französischer aromatisierter Wein, süßer und weniger komplex als klassischer Wermut, mit einer charakteristischen Chinin-Bitterkeit. Historisch vor allem als Aperitif getrunken, heute selten, aber mit treuer Fangemeinde in bestimmten Klassikern.
💡Pro Tip
Gut gekühlt servieren und wie Wermut nach dem Öffnen im Kühlschrank lagern – auch Dubonnet ist aromatisierter Wein und verliert bei Zimmertemperatur schnell an Frische.
Kurioses
Die britische Königin Elizabeth II. war bekanntermaßen eine langjährige Liebhaberin von Dubonnet, meist gemixt mit Gin – eine persönliche Vorliebe, die dem sonst wenig bekannten Aperitif regelmäßig neue Aufmerksamkeit verschafft.
Vertiefung
Erfunden für die französische Fremdenlegion
Dubonnet wurde 1846 vom Pariser Weinhändler Joseph Dubonnet entwickelt – allerdings nicht für den Genuss, sondern aus einem medizinischen Grund. Die französische Regierung suchte einen Weg, ihren Soldaten in den nordafrikanischen Kolonien Chinin gegen Malaria verabreichen zu können, ohne dass diese das extrem bittere Mittel verweigerten. Dubonnets Lösung: das Chinin in einen aromatisierten, gesüßten Wein einzubetten, der die Bitterkeit maskierte. Aus diesem pragmatischen Ursprung entwickelte sich einer der bekanntesten französischen Aperitifs.
Eine königliche Gewohnheit
Königin Elizabeth II. war über Jahrzehnte bekannt dafür, täglich einen Dubonnet mit Gin zu trinken, meist im Verhältnis zwei Teile Dubonnet zu einem Teil Gin, mit einer Zitronenscheibe. Diese persönliche Gewohnheit, wiederholt von Biografen und Hofberichterstattern bestätigt, hat dem sonst in Vergessenheit geratenen Aperitif regelmäßig neue mediale Aufmerksamkeit verschafft und ihn zu einem Getränk mit royaler Assoziation gemacht.
Verwandt mit Lillet, aber nicht identisch
Dubonnet wird oft in einem Atemzug mit Lillet Blanc genannt, da beide aromatisierte, chininhaltige französische Weine sind. Dubonnet ist jedoch süßer, dunkler und kräuterbetonter, während Lillet trockener und zitrusbetonter daherkommt – ein Unterschied, der beim Austausch in Rezepten spürbar wird und in beide Richtungen nicht wirklich funktioniert, obwohl es häufig versucht wird.
Amerikanische Version, andere Rezeptur
Wichtig für alle, die international einkaufen: Die in den USA verkaufte Version von Dubonnet Rouge unterscheidet sich seit einer Rezepturänderung deutlich von der französischen Originalversion und gilt unter Kennern als geschmacklich unterlegen. Wer die klassische Erfahrung sucht, etwa für den historischen Dubonnet Cocktail, sollte gezielt auf die französische Originalabfüllung achten.
Ein Aperitif im Schatten des Wermuts
Anders als Wermut, der über Vermouth-basierte Klassiker wie Martini und Manhattan bis heute fest im Cocktail-Kanon verankert ist, führt Dubonnet ein Nischendasein. Das liegt weniger an mangelnder Qualität als an der geringeren Verbreitung in Bars außerhalb Frankreichs und Großbritanniens, wo er historisch am stärksten verwurzelt war. Wer ihn einmal probiert hat, entdeckt darin oft eine interessante Zwischenstufe zwischen süßem Wermut und einem klassischen Portwein – kräuterig, aber runder und weniger bitter als die meisten Wermut-Sorten, mit der namensgebenden Chinin-Note als bleibendem Nachklang.
Chinin als gemeinsamer Nenner mit Tonic Water
Der bittere Chiningeschmack, der Dubonnet seinen charakteristischen Abgang gibt, ist chemisch derselbe Wirkstoff, der auch Tonic Water seine typische Bitterkeit verleiht – ursprünglich ebenfalls aus medizinischen Gründen eingesetzt, als Malaria-Prophylaxe für britische Kolonialbeamte in Indien. Dubonnet und Tonic Water sind damit zwei unabhängig voneinander entstandene Antworten auf dasselbe koloniale Problem: wie man ein bitteres, aber lebenswichtiges Medikament in ein trinkbares Getränk verwandelt. Diese parallele Entstehungsgeschichte erklärt auch, warum beide bis heute mit einer gewissen historischen Schwere verbunden sind, obwohl sie längst rein als Genussgetränke konsumiert werden.
